Einmal einen Onlinekurs erstellen und ihn danach immer wieder verkaufen. Die Arbeit einmal machen und später davon profitieren. Das klang für mich wirklich gut.

Natürlich wusste ich, dass ich dafür zuerst etwas tun musste. Ich dachte nicht, dass sich der Kurs von alleine erstellt. Aber ich hoffte schon, dass es danach einfacher wird. Dass ich etwas aufgebaut habe, das mir Arbeit abnimmt und sich öfter verkaufen lässt.

Für mich war genau diese Vorstellung schön: mein Wissen einmal ordentlich zusammenpacken und es dann mehreren Menschen zur Verfügung stellen können.

Was ich damals ziemlich unterschätzt habe, war die ganze Arbeit, die danach noch kam.

Fertig war der Kurs. Zu tun gab es trotzdem genug.

Während der Erstellung dachte ich vor allem daran, endlich fertig zu werden. Die Videos aufnehmen, alles vorbereiten und dann mit dem Verkauf starten.

Im Kopf war das schon ein grosser Punkt, den ich irgendwann abhaken konnte.

Aber sobald der Kurs stand, musste ich mich darum kümmern, dass überhaupt jemand davon erfährt. Und dass die Menschen verstehen, was sie darin lernen und weshalb sie ihn kaufen sollten.

Also kamen Verkaufstexte dazu. Newsletter. Werbung. Beiträge. Überlegungen, was ich noch erklären oder anders sagen könnte.

Das hatte mit dem eigentlichen Kursthema teilweise gar nicht mehr so viel zu tun. Ich war hauptsächlich damit beschäftigt, den Kurs zu verkaufen.

Und das hörte ja nicht einfach auf, sobald ich einmal darüber gesprochen hatte.

Der Kurs war online. Die Käuferinnen kamen deshalb nicht von alleine.

Das war für mich ein ziemlich grosser Unterschied zwischen der schönen Vorstellung und dem Alltag.

Ich hatte etwas erstellt, in das viel Arbeit geflossen war. Aber damit war noch lange nicht gesagt, dass es auch gekauft wird.

Ich habe Werbung geschaltet, eine E-Mail Liste aufgebaut, Newsletter geschrieben und versucht, mein Angebot verständlicher zu erklären. Ich habe an meinen Texten gearbeitet und daran, wie ich von meinem Kurs erzähle.

Es gab immer etwas, das ich noch verbessern konnte. Oder von dem ich dachte, dass ich es verbessern müsste.

Vielleicht lag es an der Erklärung. Vielleicht musste ich anders darüber sprechen. Vielleicht brauchte es noch eine andere E-Mail.

Ich hatte Menschen auf meiner Liste und auf meiner Warteliste. Trotzdem kamen nicht die Käufe, die ich mir davon erhofft hatte.

Eine Liste mit interessierten Menschen war eben noch kein regelmässiges Einkommen.

Und während ich darüber nachdachte, was noch fehlte, ging die Arbeit weiter. Dazu kamen die Kosten für die Werbung.

Ich wollte irgendwann mit meinem Wissen Geld verdienen und sass gefühlt zu 90 Prozent am Marketing. Ehrlich, das hatte ich mir anders vorgestellt.

Und dann musste ich auch den Kurs wieder anfassen

Dazu kam etwas, das ich vorher nicht so richtig auf dem Schirm hatte: Meine Inhalte blieben nicht einfach für immer so aktuell, wie ich sie aufgenommen hatte.

Wenn sich bei einem verwendeten Programm etwas änderte, konnte das auch meine Erklärungen betreffen. Dann musste ich schauen, was noch stimmt und was angepasst werden muss. Teilweise bedeutete das, Videos neu aufzunehmen.

Die Arbeit war also nicht erledigt, nur weil ich die Aufnahme irgendwann einmal gemacht hatte.

Mir war wichtig, dass die Inhalte stimmen. Wenn jemand dafür bezahlt, möchte ich ja auch, dass die Person damit etwas anfangen kann.

Aber genau deshalb konnte ich den Kurs nicht einfach liegen lassen und mich gedanklich davon verabschieden. Ich musste mich weiter damit beschäftigen.

Diese Vorstellung von «einmal erstellen» passte zu meinem Alltag irgendwann einfach nicht mehr.

Ich hatte mir mehr Luft erhofft

Ich wollte mit einem Onlinekurs etwas aufbauen, das mir auf Dauer mehr Luft lässt.

Was ich dann erlebte, war ziemlich viel Arbeit rund um ein fertiges Produkt. Es musste bekannt gemacht, erklärt, beworben und aktualisiert werden.

Natürlich konnte ich dieselbe Aufnahme mehreren Menschen zeigen. Ich musste den Inhalt nicht für jede Käuferin von vorne aufnehmen. Das war ein Vorteil.

Aber dieser Vorteil nahm mir nicht automatisch die ganze andere Arbeit ab.

Im Alltag machte es für mich einen riesigen Unterschied, ob ich einen Kurs technisch mehrfach verkaufen konnte oder ob ich tatsächlich regelmässig genug Verkäufe hatte.

Auf dem Papier war das Produkt da. In meinem Kopf war ständig noch etwas offen.

Und ich merkte, dass mich diese Art zu arbeiten stärker auslaugte, als ich mir eingestehen wollte.

Ich wollte deshalb nicht noch einen Kurs erstellen

Ich hatte irgendwann keine Lust mehr, wieder so viel in einen grossen Kurs zu stecken und danach vor denselben Aufgaben zu sitzen.

Erst alles erstellen, dann mit voller Kraft verkaufen und dabei hoffen, dass diesmal genug zurückkommt. Das wollte ich nicht einfach nochmals wiederholen.

Ich habe meine Kursangebote später für den Verkauf geschlossen. Danach ging es mir mental deutlich besser.

Das war für mich schon eine klare Antwort darauf, wie viel mich das Ganze belastet hatte.

Damit war nicht plötzlich jede Frage geklärt. Aber ich musste mich nicht mehr ständig damit beschäftigen, wie ich diese Angebote jetzt doch noch weiterverkaufe.

Ich konnte erst einmal überlegen, was ich überhaupt noch machen möchte.

Heute wünsche ich mir etwas Kleineres

Ich mag es nach wie vor, etwas Eigenes zu erstellen. Ich schreibe gerne, teile mein Wissen und möchte damit auch Geld verdienen. Daran hat sich nichts geändert.

Ich möchte aber keinen grossen Videokurs mehr aufbauen, bei dem ich schon während der Erstellung merke, wie mir die Kraft ausgeht.

Im Moment gefallen mir kleine Produkte, die sich mit einem konkreten Thema beschäftigen und die man lesen und in Ruhe durcharbeiten kann. Auch dafür werde ich Zeit brauchen. Auch sie muss ich erklären und verkaufen.

Ich möchte nur vorher ehrlicher hinschauen, was ich da eigentlich aufbaue und welche Arbeit später noch daran hängt.

Für meine Inhalte konzentriere ich mich heute auf Pinterest, meinen Blog und meine E-Mail Liste. Ich baue langsam auf und habe daneben mein Einkommen aus meiner Arbeit. Mein neues Projekt muss nicht sofort alles finanzieren.

Ob und wie viel ich damit verdienen werde, wird sich zeigen. Ich habe diesmal keinen fertigen Beweis dafür in der Tasche und werde auch nicht so tun.

Aber ich weiss inzwischen ziemlich genau, wie ich nicht mehr arbeiten möchte.

Wenn ich heute vom passiven Einkommen höre, denke ich deshalb sofort an die Dinge, die nach der Erstellung noch auf meiner Liste standen. An die Werbung, die Texte, die E-Mails und die Videos, die ich wieder ändern musste.

Für mich war der Kurs kein Produkt, das ich einmal fertiggestellt und danach einfach laufen gelassen habe. Er hat mich weiter beschäftigt. Und zwar deutlich mehr, als ich am Anfang gedacht hatte.

Was denkst du darüber?

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

No Comments Yet.